Sag mir, wie Du wohnst und ich sage Dir, wer Du bist

Nicht nur die Augen sind verräterisch. Auch die Einrichtung eines Menschen kann viel über ihn verraten. Und bitte, damit ist nicht die Binnenweisheit gemeint, dass, wer die Wände mit Bierdeckel tapeziert hat, höchstwahrscheinlich ein Bierdeckelsammler ist. Das wahre Leben und Wohnen ist nicht ganz so einfach zu durchschauen. Hier ein paar Beispiele, wie es mit der Charakterisierung dennoch klappen kann.

Der erste Eindruck zählt. Ist die Einrichtung lieblos zusammengewürfelt oder zieht sich ein roter Faden durch die Gestaltung der Zimmer? Wer ohne jedes Konzept Möbel aufstellt und Farben mischt, der legt nicht viel Wert auf sein Zuhause und schenkt diesem kaum Beachtung. Wo alles zufällig bleibt, da ist keine echte Verwurzelung und kein Heimatgefühl möglich. Dieser Mensch legt vielleicht in dieser Lebensphase mehr Wert auf den Beruf, das Reisen oder das Ausgehen. Das ist übrigens meist auch dann der Fall, wenn eine Einrichtung zwar durchaus geschmackvoll, aber unpersönlich und kühl ist. Sichtbar wird dies meist an einer scheinbar unbenutzten Küche, die nur spärlich, aber keinesfalls praktisch eingerichtet ist. Es fehlt an Küchengeräten und sie erscheint eher steril, statt dass diese einen wichtigen Angelpunkt innerhalb der Wohnung darstellt.

Nimmt ein Mensch dagegen das Wohnen und die damit verbundenen Ausdrucksmöglichkeiten ernst, dann wird es richtig interessant. Eine Wohnung ist zwar sauber, aber mit viel Krimskrams vollgestellt? Vorsicht, hier kann jemand bestenfalls nur schwer Prioritäten setzen und schlimmstenfalls nicht mit der Vergangenheit abschließen. Wer sich mit Unmengen an großen und kleinen Dingen zumauert, der hat irgendwann keinen Raum mehr für Neues. In solchen Fällen hilft zum Schluss oft nur eines: radikales Entrümpeln. Dies fällt natürlich schwer, aber der Ballast, der beim Entrümpeln abfällt, ist keinesfalls zu unterschätzen. Schon nach ein paar Stunden sind Fortschritte erkennbar, die alles ordentlicher und ausgewählter erscheinen lassen.

Auch das Gegenteil ist nicht ganz ohne. Wo beim Wohnen nur das Nötigste erlaubt ist, ist man entweder bei einem Asketen zu Gast oder bei jemandem, der sein Gefühle verstecken und so wenig wie möglich von sich preisgeben möchte. Es gilt also beim Einrichten wie auch in vielen anderen Belangen, dass der Schlüssel zum Erfolg in der Mitte liegt.

Wer in seiner Wohnung auf Übersichtlichkeit und Funktionalität achtet, der macht sich das Alltagsleben leichter. Damit auch die Seele zu ihrem Recht kommt, braucht man ein paar Dinge, die an besonders liebe Menschen oder an schöne Erlebnisse erinnern. Sie geben einer Wohnung Farbe und Persönlichkeit. Ebenso wie alles, was zur Gegenwart des Bewohners gehört, zu seinen momentanen Vorlieben und Interessengebieten.

Besonders aufschlussreich ist ein Blick in die Küche. Die Arbeitsflächen sind blitzblank und eine Art Ausstellungsfläche für die neuesten Elektrogeräte? Dann hat man es mit einem Technikfreak zu tun – und der Kühlschrank ist wahrscheinlich bis auf eine Flasche Prosecco oder ein paar Bier leer. Wo sich dagegen Kräutertöpflein auf der Fensterbank drängeln und Gewürzgläser stapeln, da darf mit gemütlicher Häuslichkeit und einem leckeren Essen gerechnet werden.